22. October 2017

Umgebung und Ausflugsziele

Nafpaktos:
Das malerische Städtchen (ca. 18000 Einwohner) direkt am Eingang vom Golf von Korinth mit seinem kleinen befestigten Hafen, ist nicht nur als Stopp für Segler ein Geheimtipp. Ein Besuch dieser geschichtsträchtigen Stadt lohnt in jedem Fall, lässt sie doch architektonisch noch die Handschrift der Venezianer erkennen (wie es in Griechenland evtl. lediglich noch in Rhodos oder Korfu der Fall ist), die Nafpaktos im Mittelalter vom byzantinischen Kaiser Emanuel überlassen bekamen. Die Venezianer nannten die Stadt Lepanto, deren Name auch für eine der letzten großen und sehr blutigen Galeerenschlachten im Mittelalter steht (7. Oktober 1571), in der sich eine venezianisch-spanische Flotte einer osmanischen gegenüber stand, welche unterlag und so ihre türkische Vorherrschaft aufgeben musste. Was wohl den wenigsten Bekannt sein sollte, ist die Eigentümlichkeit, daß Miguel de Cervantes – Verfasser von Don Quijote, eins der großen Werke der Weltliteratur – in dieser Seeschlacht einen Arm verlor. In Gedenken an seine Beteiligung findet sich noch heute seine Statue auf dem Gemäuer des Hafenbeckens. Somit hat Nafpaktos seinen ganz eigenen, sehr ursprünglichen Flair, der zuweilen hektisch anmutet, da stets ein reges Treiben durch die engen, verwinkelten Gassen stattfindet, was aber in den zahlreichen Geschäften, Tavernen und Cafes das Verweilen nicht beeinträchtigt, im Gegenteil man fühlt sich schnell als Teil des Ganzen. Sehr zu empfehlen ist es sich das bunte Treiben am Hafen, bei einem Frappe (typisch griech. Eiscafe) oder Elliniko (traditioneller griech. Mokkakaffee) zu betrachten; wer es lieber etwas ruhiger will wird bestimmt auch fündig und kann die beruhigende Atmosphäre der schaukelnden Fischer- und Segelboote genießen. Am Abend und bis spät in die Nacht verwandelt sich der Hafen in eine Flaniermeile, mit verschiedenen Bars, die einladen zum Sitzen im Innenbereich oder unter freiem Himmel. Zu späterer Stunde zieht es das Publikum meist noch in die Disko zum ausgelassenen Tanz mit griechischer und internationaler Musik. Den Sonnenuntergang sollte man aber auf keinen Fall auf der Festung genau oberhalb der Stadt verpassen, von hier aus hat man einen atemberaubenden Ausblick auf den Peloponnes, den Golf von Korinth, den unterhalb liegenden Hafen mit Stadt, sowie die in der Nacht imposant beleuchtete Brücke zwischen Rion – Antirrion. Auch beim Einkaufen hat man hier die Wahl zwischen Tradition und Moderne, d.h. man kann sich auf der einen Seite im Discounter (z.B. Eurospar oder Lidl, wobei einem beim lediglichen Blick auf Angebot und Einrichtung nicht auffallen würde, dass man sich in Griechenland befindet) mit Ware eindecken, oder man geht in einen sog. Supermarket, in dem noch schönes, geordnetes griechisches Chaos herrscht. Hier findet man alles was das Herz begehrt und bekommt zusätzlich noch griechische Produkte wie offene Oliven, Ziegenkäse uvm. Einmal in der Woche gibt es einen Markt, auf dem man Produkte der Bauern, Fischer und Händler der umliegenden Gemeinden erstehen kann, was ein ganz eigenes noch alle Sinne anregendes Einkaufserlebnis ist. Gerade im Frühjahr und Herbst, ist man in dieser idyllischen Stadt noch so gut wie allein unter Griechen, lediglich im Hochsommer trifft man auf ein paar Touristen, die sich aber meist nur auf der Durchreise nach Delphi, Athen oder die Meteora Klöster befinden. Doch der ein oder andere hat auf seinem Weg entlang dieser noch relativ unberührten Tourismusgegend, sein Herz verloren und ist wieder gekommen, um für länger zu bleiben.

Küstendörfer in unmittelbarer Umgebung:

Entlang der fokidisch-doridischen Riviera finden sich neben Paralia Sergoula, noch einige andere Dörfer, die es lohnt zu erkunden. Kleine Restaurants oder Bars mit lokalen Köstlichkeiten laden ebenso zum Ausharren ein, wie die ein oder andere nette Bucht, die je nach Geschmack etwas belebter bzw. abgeschiedener ist. Eins ist diesen Stränden hier jedoch immer gemeinsam und das ist das saubere, glasklare Meerwasser mit seinem hell- bis azurblauen Farbstich. Da die Bewohner ob jung oder alt mit dem christlich orthodoxe Glauben noch sehr verbunden sind, ist es Sitte, zu ehren des jeweiligen Kirchenheiligen, ein ausgiebiges Fest zu veranstalten. Sollten Sie zufällig das Glück haben diesem beizuwohnen, werden Sie bestimmt Ihre Freude haben, an der griechischen Geselligkeit, dem leckeren gegrillten Essen, der volkstümlichen Musik und deren Tänzen. Hier sind Sie also noch wirklich im Großen und Ganzen ein Individualtourist, mitten im Leben der dort ansässigen Griechen und keiner versucht Ihnen ein bestimmtes Klischee vorzuspielen.

Insel Trizonia:
Ein Geheimtipp in unmittelbarer Nähe ist die kleine verträumte Insel Trizonia, die schon der große Reeder Onassis für sich entdeckt hatte. Erreicht werden kann sie nur über das Meer per Schifftaxi, da es dort keine Autos gibt und für Transporte lediglich ein paar Esel bzw. wenige Nutzfahrzeuge zur Verfügung stehen. Ihr ist ein erst in den letzten Jahren entstandener Yachthafen angeschlossen. Zur Versorgung gibt es einen Dorfladen und außerdem eine handvoll Cafes und Tavernen, direkt am Wasser gelegen, in denen man exzellente Fischgerichte bekommen kann. Die ein oder andere einsame Bucht der Insel lässt sich nur per Boot erreichen und wer sich die Mühe macht und die einzige Anhöhe erklimmt, hat einen tollen Blick auf das gegenüberliegende Festland, außerdem erkennt man gut die Lage des Bergdorfes "Ano Sergoula" im Hang.

Delphi:
Am "Nabel der Welt", den die alten Griechen mit dem sog. Omphalos – Stein im Apollon – Heiligtum von Delphi kennzeichneten, lässt sich heute noch neben diesem Fundstück und unzähligen anderen Kostbarkeiten, die im Museum stehen, bzw. anhand imposanter Tempelruinen, der legendäre Reichtum dieser einstigen, wichtigsten Orakelstätte der Antike erahnen. Auf den Spuren der alten Griechen wandelnd, kann man Geschichte real erleben und so ist es hier möglich im noch gut erhaltenen Amphitheater dessen Akustik zu erproben oder im großen Stadion einen Wettlauf zu veranstalten.

Arahova:
Auf dem Weg nach Delphi, kommt man in dieser Stadt unweigerlich vorbei und man sollte dies zu einem zumindest kleinen Stopp nutzen. Fast auf 1000m Höhe gelegen, hat man von hier aus nicht nur einen tollen Blick auf die mit Olivenhainen übersäte Ebene von Amfissa, die von hier aus silbergrün schimmert, und das glitzernde Meer, sondern kann die Zeit auch noch zum Shoppen nutzen. Die Gebirgsstadt Arahova ist v.a. für seine handgefertigten Webwaren bekannt, wie z.B. den "Flokkati-Teppich", aber es werden noch unzählige andere Waren angeboten wie Hirtentaschen, Töpferwaren und lokale Leckereien. Da Arahova sich am Fuß des Parnass (2450m) befindet, ist es auch nicht weit von Griechenlands größtem Skigebiet entfernt und dementsprechend finden sie hier gute Tavernen mit örtlichen Spezialitäten, Cafes mit schönem Ausblick, sowie die ein oder andere Bar/Disco. Gerade in den Wintermonaten, muß jeder Athener Bürger der was von sich hält, mindestens einmal hier zum Skifahren oder Snowboarden gehen. Die Athener Schickeria trifft sich dann dort abends zunächst zum Essen und dann zum Apres Ski, wo anschließend die Post abgeht. Man kann also getrost sagen, daß was für die Partyszene Mykonos im Sommer ist, ist für die reichen und schönen Athens im Winter Arahova. Ein Highlight im Frühjahr ist das Fest am 23. April zu Ehren des Heiligen Georgs, das 3 Tage dauert und bei dem man den "Wettlauf der Alten" bestaunen kann, die in Trachten geschmückt die Strassen säumen. Der Gaumen kommt natürlich auch nicht zu kurz, lässt man sich doch zu Lamm vom Spieß, das in Reihe direkt an der Hauptstrasse gebraten wird, den aus den Weingärten dieser Stadt hergestellten, feinen, dunklen, roten Wein schmecken.

Osios Lukas:
Wer sich für die byzantinische Zeit interessiert und einen Einblick in den griechisch orthodoxen Glauben der Ostkirche gewinnen will, sollte eines der zahlreichen Klöster und Kirchen besuchen, die es zahlreich in dieser Region gibt. In der Nähe von Delphi, genauer gesagt in Osios Lukas, befindet sich eines der wichtigsten Klöster Griechenlands, mit seiner bedeutenden Bau- und Mosaikkunst aus dem 11. Jahrhundert n. Chr., es gehört zur Liste des Weltkulturerbes der UNESCO und beherbergt noch heute Mönche. Zahlreiche Fresken, Mosaike und kostbare Ikonen aus der Zeit des Eremiten Lukas mit seiner prophetischen Gabe, sind sehr gut erhalten, ebenso wie dessen Sarkophag in der Krypta der ihm zu Ehren geweihten Kirche. Neben dieser gibt es noch die kleinere Panagia-Kirche zu besichtigen, deren Kern die zu Ehren der heiligen Barbara geweihte Kirche aus der Zeit des Heiligen Lukas bildet. Die Mönche sind über jeden Besucher froh, der in einer der meist nach schwerem süßlichem Weihrauch duftenden Kirchen nach einem freiwilligen Obolus, eine Kerze anzündet, bzw. das Museum besucht, dem meist ein kleiner Shop angeschlossen ist, in dem man Kerzen, Heiligenbildchen, Weihrauch/-fässer, handgemalte Ikonen jeder Größe oder sogar Produkte aus den eigenen Klostergärten erstehen kann.

Meteora Klöster:
Es ist ratsam für einen Besuch bei den Meteora Klöstern zwei Tage einzurechnen, um sich in Ruhe einige der 24 Klöster anzusehen, die auf gigantischen, bizarren Felsspitzen aus Sandstein errichtet wurden, welche sich unmittelbar von der Ebene in schwindelnde Höhen räkeln. Allein die Felsformationen sind die Reise wert und versetzen einen in Staunen, doch wer nur eines der noch sechs bewohnten Klöster aufsucht, verspürt einen großen Respekt, vor der Leistung der Mönche, die in Anlehnung an die Mönchsgemeinschaften des Heiligen Berges Athos, an diesem unwirklichem Ort Klöster aufgebaut haben, um in Askese sich ganz in den Dienst Gottes zu stellen. Erste Datierungen reichen bis in das 10 Jahrhundert zurück und beim sehr beschwerlichen Aufstieg über die meist engen, steil ansteigenden Treppen, die wohl gemerkt erst seit ca. 1920 vorhanden sind, kann man gut verstehen, das sich der Fort- und Umbau über Jahrhunderte erstreckte. Über Strickleitern und Seilgewinden mit Netzen wurden oft unter Gefahren, die für ein Leben in diesen luftigen Höhen notwendigen Materialien empor geschafft. Heute ist diese Region zudem eine der beliebtesten Kletterregionen in ganz Griechenland und selbst James Bond war hier schon "In tödlicher Mission" mit dem Aufstieg beschäftigt.
Eine Übernachtungsmöglichkeit könnte man z.B. in Ioannina nutzen, um wieder in der Neuzeit anzukommen, da diese wirklich sehenswerte, an einem großen See gelegene Studentenstadt viel zu bieten hat. Unzählige Tavernen, Schnellimbisse, Bars und Kneipen, auch direkt am See gelegen, laden zum Pausieren ein; außerdem kann man auf einem großen Ausflugsboot sein Abendessen sozusagen sprichwörtlich auf See genießen, bzw. am Tag die Insel besuchen, auf welcher der "Löwe von Janina" (Ali Pascha) seine Festung erbauen ließ, von der noch so einiges zu sehen ist.

Olympia:
Ein weiteres potentielles Tagesausflugsziel ist das auf dem westlichen Peloponnes gelegene antike Olympia, das man in etwa 3 Std. erreichen kann. An dessen Stelle wurde bereits ca. 800 v. Chr. der erste Olympiasieger urkundlich erwähnt und noch heute kann man zahlreiche Bauten, Denkmäler bzw. Anlagen für die Olympischen Spiele besichtigen. Wer vor den imposanten Säulen des teilweise erhaltenen Heratempels steht, bekommt obendrein einen kleinen Eindruck davon, wie prächtig, das neben Delphi bedeutendste Heiligtum zu Ehren des Zeus im antiken Griechenland, gewesen sein muß. Seit 1896 finden die olympischen Sportwettkämpfe alle 4 Jahre auch wieder in der Neuzeit statt. Wer zufällig Glück hat und sich gerade zu der Zeit in der Nähe der Stätte befindet, wenn das Olympische Feuer mit Hilfe der Sonne, sowie eines Parabolspiegels in einer feierlichen Zeremonie entfacht wird, sollte es sich nicht entgehen lassen, diesem Spektakel beizuwohnen und den Fackelläufer auf seinen ersten Metern anzufeuern. Als ein Zeichen des Friedens und des Zusammenhalts unter den Völkern wird mit der Fackel das Olympische Feuer entfacht, das während der jeweiligen Sommer- oder Winterspiele hindurch brennt.

Kalavrita:
Wer etwas für Eisenbahnromantik über hat, kann mit der aus dem Jahre 1885 stammendem Zahnradbahn von dem Küstenörtchen Diakopto nach Kalavrita (750m. ü. M.) fahren und die wilde Berglandschaft mit ihren Schluchten genießen. Im nordwestlichen Peloponnes gelegen, ist dies die einzige noch fahrende Schmalspurbahn in ganz Europa, mit einer Spurbreite von 750mm. Auf der 22km langen Strecke, kommt man an dem Kloster "Agia Lavra/ Mega Spileo" vorbei (bequemer ist es ehrlich gesagt mit dem Auto dort hinzufahren, da man gut zu Fuß sein sollte, falls man von der Bahnstation "Zahlorou" losläuft), das als Nationalheiligtum gilt, seit der Bischof von Patras dort die Fahne der Befreiungskämpfer am 25.03.1821 gesegnet hatte. Es wurde 362 n. Chr. gegründet und trotz der Brände, sowie Kriege die es zu ertragen hatte, beherbergt es bis zum heutigen Tag eine der ältesten Marienbilder der Welt. Das Kloster ist architektonisch interessant, da es teilweise in den Felsen gehauen ist und sich im inneren eine Höhle befindet, in der eine heilige Quelle entspringt. Der Legende nach, fand ein Schäfer genau hier die kostbare Ikone, welche in der Klosterkirche aufbewahrt wird. In Kalavrita angekommen, kann man dort die Zeit mit einem Kaffee oder Ouzo überbrücken und anschließend wieder hinunter fahren, bzw. wer es lieber sportlich mag, kann entlang der Bahntrasse talwärts wandern.
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